Doppelachter ist doch keine Bootsklasse!

Dieser Spruch könnte wohl von mir kommen. Ich gebe zu, ist er auch.

Das Achterrudern begleitet mich schon seit Jahrzehnten und ganz klar habe ich dabei den Riemenachter im Kopf. Schön, dass in den letzten Jahren einige Achterevents entstanden sind, angefangen hat wohl die deutsche Ruderbundesliga. Der Ruderclub LIA ist dem Trend Achtersprint gefolgt und hat mittlerweile das Vienna Night Row in Österreich etabliert.
Die traditionellen Langstreckenregatten wie das Inn River Race in Passau, das Blaue Band vom Wörthersee sind seit Jahres selbstverständlich. Hinzugekommen nun noch der Capital Cup. Sehr interessant, dass sich die Veranstalter in den Hauptstädten Budapest, Bratislava und Wien zu einer Cupwertung zusammengeschlossen haben.

Rudern ist zur Trendsportart geworden. Sportlich ambitionierte Frauen und Männer jeden Alters finden sich in Scharen bei den Ruderclubs ein und erlernen jenseits des Jugendalters diese naturverbundene und gesunde Sportart neu. Rudern bedeutet allerdings für den Großteil der Vereine Skullen – das finde ich schade.
Riemenrudern ist asymmetrisch, mit Riemenrudern verbiegt man sich den Rücken, Riemenrudern ist schwierig zu erlernen, Riemenrudern ist nur was für Männer oder junge Leute, …. um nur ein paar Vorurteile zu nennen.
Das stimmt auch zum Teil, wenn man diese etwas andere Technik nicht ordentlich erlernt.

Achterfahren ist cool, macht Spaß, das wissen auch die Skuller, denen bisher die echte Königsklasse des Ruderns verwehrt war. Aus dieser „Not“ heraus, gibt es mehr und mehr den Doppelachter. In meiner Kinderruderzeit als „Tausendfüßler“ bekannt, haben mittlerweile viele Vereine die 20 m langen Boote umgerüstet zu Skullbooten, ein schöner Trend.

Achter Ausleger

Dieser Schellenbacher-Achter hat 8 Paar neue Ausleger bekommen. Jeden Platz habe ich gemessen und von meinem Ausleger-Partner anfertigen lassen. Außerdem habe ich an 8 Spanten Löcher für Auslegerschrauben gebohrt. Diese Umrüstung ist bei jedem Achter möglich, er kann natürlich weiterhin , wenn die Ausleger ummontiert werden, als Riemenachter gerudert werden.

Ich muss zugeben, dass die Jungfernfahrt mit den neuen Auslegern viel Spaß gemacht hat, wirklich! In der Tat, Doppelachter ist klasse!

Achter Ausfahrt

Gastarbeiterin in München

Das war mal wieder ein Auftrag, der viele Blicke auf sich gezogen hat. Aber ich beginne mal von vorn.

Anlässlich der EURO Masters Regatta auf der Olympia Regattastrecke in München hatte sich im Vorfeld ein Auftrag ergeben. Ein schon in die Tage gekommener, sehr gepflegter Holz-Rennachter sollte verkauft werden. Er hatte allerdings einen Fehler, er war nicht teilbar. Die Älteren unter uns erinnern sich ja noch an die abenteuerlichen Transporte der knapp 20 m langen Boote, die dann schon mal an der Kreuzung den Ampelmasten touchiert haben. Das nahm ja dann irgendwann ein Ende, als diese Transporte verboten und von nun an alle Achter mit einer Teilstelle versehen sein mussten.

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Gleich vorweg, die Fachleute werden beim weiteren Studieren der Bilder gleich anmerken, dass es wohl nicht sinnvoll ist, die Teilstelle genau in der Mitte zu platzieren. Natürlich sind die Achter normalerweise asymmetrisch geteilt, um die am meisten belastete Stelle in der Bootsmitte zu meiden. Dies war durch den Auftraggeber vorgegeben, der die Achterteile für die Winterlagerung nur so handhaben kann.

Die Arbeit kann beginnen:
Die richtige Stelle gefunden, kann ich nun den alten Auslegerspant entfernen, der dann durch den neuen ersetzt werden soll.

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Der neue Spant wird angefertigt und perfekt passend in die vorbereitete Stelle gepasst und eingeklebt.

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Das hört sich nicht besonders aufwendig an, ist es aber. Die Vorbereitung muss sehr genau sein, einmal montiert, kann man nichts mehr ändern. Also va piano.

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Nachdem der Spant, oder besser, die Schotten, montiert sind, muss der vorher entfernte Innenausbau wieder eingepasst werden. Die Diagonalen sind sehr wichtig für die Stabilität des Bootes.

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„Und jetzt  kommt der große Moment, wo die Meisterin das Boot auftrennt!“

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Das ist aufregend, aber wenn man weiß, dass alles gut vorbereitet ist, gibt es keine Zweifel.

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Nun muss die Schnittstelle und und die großen Flächen, dann dem die Schotten wieder zusammengefügt werden sollen, geschliffen und geglättet werden. Die Flächen lackiere ich schwarz, da kleine Unebenheiten und Unebenheiten in der Oberfläche gespachtelt werden mussten, das sieht besser aus.

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Auch die angrenzenden Holzflächen innen und außen werden transparent lackiert.

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Schaut doch recht gut aus.

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Nun müssen noch die Beschläge wie Rollschienen, Stemmbrettbeschläge  und die Schrauben für die Ausleger montiert werden

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Die beiden Hälften sind nun verladen.

verladen

Wichtig, der Aufkleber.

das Schott mit Besfestigungsschrauben und Signatur

Nun ist alles bereit für die Abfahrt. Das waren ein paar schöne Tage bei gutem Wetter, schöner Umgebung und, nicht zu vergessen, die netten, freundlichen Ruderer, die mich täglich besucht und unterhalten haben. Einen schönen Dank auch an die freundlichen Mitarbeiter der Regattastrecke.

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Lieblingsdisziplin

Bei diesem Boot handelt es sich um einen Einer, der einen Transportschaden erlitten hat. Ist diese Reparatur unmöglich? Nicht für mich.

Als Rennruderin kenne ich natürlich auch die Anforderungen, die an ein Boot, ein repariertes Boot, gestellt werden: Das Boot muss die absolut fehlerfreie Form wiedererhalten, damit es geradeaus fährt. Die Oberfläche muss so perfekt sein, wie bei einem Neuboot, das Boot darf nicht wesentlich schwerer sein, als vor der Reparatur.

Und, ist das bei diesem Schaden erfüllbar?

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Ja, es ist erfüllbar!

Das HUDSON-Boot ist fast ausschließlich aus Kohlefaser gebaut. Ultraleicht aber auch ultraempfindlich, wie man sieht. Das Boot ist an 2 Stellen am Bugluftkasten stark beschädigt, ein wirklich großer Schaden.

Alle Reparaturen werden mit Kohlefaser und Epoxidharz gemacht.

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Je nach Anforderung im Bootskörper nimmt man unterschiedliche Gewebe/Gelege.

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Im Arbeitseifer vergesse ich immer, zwischendurch Bilder zu machen. Hier ist das Boot schon fertig lackiert. Wir haben auf die bronzene Lackierung verzichtet und lieber die Außenhaut weiß gemacht.

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Die reparierten Stellen sind wirklich gar nicht sichtbar, Form und Oberfläche absolut perfekt!

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Auf in die neue Saison, mit einem (scheinbar) neuen Boot.

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Da tut sich was im Rudersport

Noch vor ein paar Jahren habe ich, wenn ich darauf angesprochen wurde, gesagt, dass ich hoffe, dass mir mein geliebter Werkstoff Holz noch mein Berufsleben lang bleiben solle. Mein ganzes berufliches Glück drehte sich um diesen wunderbaren Werkstoff. Dass er so toll ist, finde ich noch immer. Aber mein Herz ist groß und ich lasse immer Platz für das Neue und Fortschrittliche. Ja, ich bin wandelbar und habe den neuen Werkstoffen und Entwicklungen eine faire Chance gegeben. Über dieses Thema habe ich schon einmal geschrieben, als Ruderin.

Im Ruderbootbereich sind die neuen Werkstoffe gar nicht mehr wegzudenken. Kohlefaser oder Carbon, diese Begriffe bekommen die Rudererkinder ja fast schon mit der Muttermilch. Die meisten wissen zwar nicht, was das genau ist, finden es aber einfach mal cool. Ist es ja auch.

Seit ein paar Jahren werden nahezu keine Holzruderboote mehr gebaut, außer natürlich die Firma Stämpfli in Zürich. Dort hatte ich meine bootsbauerischen Anfänge, da fing es an mit mir. Die bauen noch ein paar hübsche Holzeiner pro Jahr und haben eine sehr spezielle Kundschaft.

Stämpfli_Skiff

Aber auch beim traditionelle Rennskiff aus Holz hat sich etwas eingeschlichen, dass die Traditionalisten ins Schwitzen bringt. Es hat sich selbst in dieses Traditionshaus ein moderner Flügelausleger eingeschlichen. Klassik trifft Moderne. Eine schöne Kombination, finde ich. Die Stämpfli-Holzboote sind aber heutzutage die Ausnahme. Auch Stämpfli Racing Boats hat den Sprung ins neue Zeitalter vollzogen. Auch schick, aber anders.

ST1_Skiff

Der Stämpfli ST1 ist ein wahres Meisterstück. Aber beginnen wir doch einmal in den 1950er Jahren. Alfred Stämpfli baute die ersten Ausleger aus Aluminium. Die wurden dann Standard bei den uns bekannten Booten und sind bis dato nicht mehr wegzudenken. Stimmts?

Empacher_ViererDieser Vierer ist auch schon fast ein Klassiker seiner Art. Die Schale aus Epoxy, Verstärkungsmaterialien Kevlar (Aramidfasern) und Carbon (Kohlefaser). Das Boot ist sehr leicht gebaut und äußerst stabil. Wahrscheinlich sind Teile des Innenausbaus noch immer aus Holz. So ganz möchte man wegen der guten Eigenschaften doch nicht auf diesen Werkstoff verzichten.
Was aber interessiert, das sind die Ausleger in Kombination mit diesem System aus Spanten und eingezogenen Decks, die das Verwinden des Bootes verhindern sollen. Die Ausleger sind aus geschweißtem Aluminiumrohr. Alu ist sehr steif und leicht, die Bauart hat sich nicht wesentlich geändert seit den 50ern. Sie haben sich also bewährt.

Nachteil dieser Auslegerart ist, dass die immensen Kräfte, die bei jedem Schlag ihren Weg durch das Boot über die Spanten nehmen müssen, das ganze System weich machen. Natürlich ist das kein Problem für mich, Spanten zu verstärken oder komplett zu erneuern, aber auch das ist hier nicht das Thema.

Im Bereich des Stemmbrettes links, Zugkräfte. Oftmals ist eine Stange zur Verstärkung eingebaut, damit das Boot nicht auseinanderreißt. In der Mitte, beim Hauptspant, drücken sie ganz kräftig den Spant zusammen. Im Bug, beim Rollbahnende treten Druckkräfte auf, das Boot wird beim Einsatz vorn zusammengepresst. Die Druckstreben entlasten so die Zugstreben ein wenig.

Filippi_klassisch

Irgendwann sind die Konstrukteure auf die grandiose Idee gekommen, die Kräfte nicht mehr durch den Bootskörper laufen zu lassen, sondern sie im Ausleger zu belassen. Das war der Beginn des Flügelauslegers.

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Die Seitenwände, die sogenannten Waschborde, sind speziell mit Kohlefaser verstärkt und haben stabile Aufnahmen für den Ausleger.

Waschbord

Die Zugkräfte, die im Stemmbrettbereich auftreten, können im Skullboot noch besser gebündelt werden als im Riemenboot.

usa-jw1x-king-michelle-7Alle Kräfte sind beim Skullboot nun auf den Bereich Stemmbrett und Ausleger konzentriert. Das Boot wird weitesgehend verschont und die Kräfte, die der Ruderer aufwendet, werden nicht verschwendet, um Boot und Spanten zu verbiegen.

Ist es denn eigentlich notwendig, die Zugkräfte, die der Ruderer im Stemmbrettbereich aufbringt und das Boot bzw. den Ausleger auseinanderreißen will, zuzulassen? Kann man nicht den Ausleger andersherum bauen? Klar kann man, hat man sich gedacht. So kam es zum Druckausleger.
In der Auslage drückt der Ruderer die Dollenstifte in Richtung Bug, in Fahrtrichtung, dafür hatte man bislang die „Fünfte“ oder Druckstrebe. Beim Druckausleger soll das Ganze natürlich mit größtmöglicher Festigkeit und in sich absolut stabil sein. Die Lösung dafür ist klar, Kohlefaser.

cooles Bild, aber man erkennt nix

ichAlso das ist der Druckausleger aus Kohlefaser. Nachteil ist, dass er sehr empfindlich ist und das Einstellen eher problematisch.

Ausleger einstellenDa sich der Flügel- oder Wingausleger an sich ja bewährt hat, dachte man wieder einen Schritt weiter und kombinierte den Druck- mit dem Wingausleger. Wir sind beim sogenannten Backwing angelangt. Grandios! Ein weiterer Vorteil des Flügels ist, dass er auch bei schwierigen Wasserverhältnissen das Boot ruderbar macht. Kein Zerschellen der Wellen an Auslegern mehr, herrlich.

Den gibt es in unterschiedlichsten Varianten, von Werft zu Werft verschieden. Die Materialien natürlich wieder Kohlefaser oder Alu, je nach gewünschter Preisklasse.

Backwing_AluSehr schick!

Backwing_Hudson

Die Dollenkonstruktion.

Backwing_Hudson_Dolle

Emma Twigg.

Emma-TwiggUnd das alles gibt es nun auch wieder aus Kohlefaser. Die kann man auch wesentlich filigraner und somit windschlüpfriger bauen.

Fluegel_CarbonWorauf läuft das alles hinaus? Alles muss scheinbar so fest wie möglich sein, so steif und leicht, wie es nur irgendwie geht. Jetzt reicht es langsam. Man erzählt, dass Weltklasseruderer sich für das Training außerhalb der Wettkamfzeit herkömmliche Aluminiumausleger nehmen, weil die weicher sind. Geht das alles zu weit mit dem Optimieren? Ist das denn alles noch gesund? Ist das nicht der pure Stress für unsere Körper?

Fakt ist, dass wir bei den Rudern von den härtesten Schäften wieder zurück zu den flexiblen gehen. Unsere C2 Skinnies haben Biegeeigenschaften wie einst die Stämpfli-Holzruder.

Im Hochleistungssport wird das sicher so weitergehen, Hochleistungssport ist nunmal kein Zuckerschlecken, aber der Großteil der Ruderer ist weit von Weltklasseniveau entfernt. Man sollte also bei der Bootswahl und -beurteilung immer nachdenken, was das Ziel ist, das man verfolgt. Schneller oder vielleicht doch „nur“ gesund oder Spaß in der Gemeinschaft haben? Das beste Boot ist also nicht immer das Beste für jeden. Ganz im Gegenteil. Der Ruderanfänger wird in einem Hightechboot keinen Spaß haben.

Ab und zu nehme ich mir meinen Stämpfli Holzeiner, Baujahr 1954, und freue mich, dass da nichts hohl klingt und knallt bei jedem Schlag. Höchstens knarren mal die Spanten, aber das ist das Alter.

Am Anfang war das Brett

Neubau. Hört sich gut an, ist auch recht spannend für mich, kümmere ich mich doch sonst meist um die betagteren oder beschädigten Boote. Neubau ist interessant für Auftraggeber und Bootsbauer. Der Kunde hat ganz bestimmte Vorstellungen, weiß, was das Boot können muss, wie es ausschauen soll, bastelt sich im Kopf aus seiner Erfahrung das Optimum zusammen. Wir, das Bootsbauteam hören zu, beraten, zeichnen, entwerfen und realisieren letztendlich den Wunsch des Kunden.
Hört sich an wie ein Traumberuf, oder?

Dieser Kunde hat spezielle Anforderungen an sein Boot: Es soll ein Fischerboot sein, eine Zille. Es soll lange leben (das Alte war nach 5 Jahren im Unterwasserbereich durchgefault). Es soll viel Stauraum bieten. Wunschhölzer sind Mahagoni und Lärche. Das Boot soll stabil sein. Und schön außerdem. Das war aber auch mein besonderes Anliegen. Kein Boot wie jedes andere, sondern ein schönes Fischerboot, eine Zille für die Alte Donau.

Und nun kommen wir zum Anfang und zum besagten Brett, das natürlich kein herkömmliches Brett ist. Wir verwenden Bootsbausperrholz. Dieses ist kochfest verleimt, die Klasse, die wir für ein gutes Boot einsetzen müssen. In der Länge werden die Platten geschäftet um auf unsere Länge von 6 m zu kommen.

eine Seitenwand

Spanten werden mit dem Hobel angepasst.DSC_0056

Kreatives Chaos in der Werkstatt.DSC_0063

Der Boden wird verleimt.DSC_0093

Dübel in den Boden um die Platten in die richtige Form zu ziehen.DSC_0098

Boden und Seitenwände sind montiert und verputzt, gehobelt.DSC_0119

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Schraubenlöcher werden mit Holzpfropfen verschlossen.DSC_0121

Im Unterwasserbereich werden Stringer montiert. Auch diese werden verschraubt und geklebt.DSC_0122

Das Boot ist zum ersten Mal draußen. Wir können alles reinigen, bevor es nun kielunten (so heißt das tatsächlich) weitergeht.DSC_0130DSC_0136DSC_0142

Der komplette Rumpf wird mit Epoxidharz beschichtet. Das schützt gegen Schläge und das Wasser.DSC_0144

Der Rumpf ist nun fertig. Jetzt bauen wir den Innenausbau. Der Boden wird aus Läche gefertigt. Das steht in schönem Kontrast zur Mahagoni-Schale.DSC_0146

Schutz und Stabilität für die Außenwand.DSC_0147Das Deck ist verklebt aus Mahagoni mit einem Mittelstreifen aus Lärche. DSC_0153

Natürlich wird oben auch alles gut beschichtet und mit Epoxy verpackt.DSC_0159

Zwei Helfer.DSC_0163

Ein großer Aufwand ist das, wenn man das komplette Boot noch einmal schleifen muss. Das ist allerdings notwendig, da die beschichteten Flächen zusätzlich noch mit einem UV-beständigen Lack versiegelt werden müssen. Alles wird dann penibel gereinigt, noch einmal kontrolliert und für den großen Lackiertag vorbereitet.DSC_0168DSC_0169

Fehlt noch der Boden.DSC_0196DSC_0172DSC_0178

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Der Boden ist an die Bootsform angepasst und in der Länge in Cassetten unterteilt. So kann man ihn auch allein herausheben.DSC_0256

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Die Zille bekommt noch Sitzbänke, die verschiebbar sind. Der hintere Teil des Bodens kann aufgeklappt werden, damit der Fischer Wasser abschöpfen kann. Für die Fortbewegung montieren wir noch Ruder und einen kleinen Elektromotor.

Das ist nun aus unseren Brettern, Platten und Leisten geworden: eine schöne Zille für die Alte Donau.

Angenehmer Zwischenfall – eine venezianische Gondel in Wien

Ungewöhnlich ist ist das, wenn man mitten in Wien einen Auftrag für eine, hierzulande eher untypische, venezianische Gondel bekommt. Mindestens genauso ungewöhnlich ist es, dass dieses bestellte Boot niemals richtiges Wasser spüren oder gar schwimmen soll. Wenn man dann hört, wer der Auftraggeber ist, wird vieles klarer.

So bekam ich also einen Anruf aus dem Wiener Burgtheater, ob ich willens und in der Lage sei, eine Gondel in Originalgröße für die Bühne zu bauen. Ja natürlich, so einen Auftrag bekommt man nicht alle Tage. Zugesagt, und los ging es.

Es folgten Meetings mit dem Bühnenbildner Martin Zehetgruber und seinem Team, der technischen Leitung des Burgtheaters und dem Team der Art for Art Theaterservice GmbH, in deren heiligen Hallen ich bauen durfte.

Zuerst war meine Chefdesignerin Eli Thonhofer gefragt. Da ging es um die Hauptabmessungen, den Unterwasserbereich, der ja nicht in der Bühne verschwinden würde sondern abgeschnitten werden musste. Außerdem mussten Sitzpositionen und -höhen fixiert werden, die grobe Form besprochen und verbildlicht werden. Die venezianische Gondel ist normalerweise asymetrisch, das heißt, eine Seite ist eher dünn-, die andere etwas dickbauchiger. Da das Schiff nur von der rechten Seite aus sichtbar sein würde, gestalteten wir die Form der Einfachheit halber symmetrisch. Zu breit durfte sie auch nicht sein, da die Gänge hinter der Bühne eher schmal sind. Die linke, nicht sichtbare Seite konnte oberflächentechnisch vernachlässigt werden. Besonders leicht sollte sie werden, um sie quasi über die Bühne schweben zu lassen. Nach Elis hervorragender Vorbereitung waren nun die Bootsbauer gefragt.

Nun lasse ich die Bilder sprechen.

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So fängt alles an.
Spanten und alle anderen Teile werden geplottet ausgeschnitten.
Gondel_  (6)Gondel_  (7)Danach Ausschneiden und Verkleben einzelner Teile.
Gondel_  (23)Gondel_  (45)Gondel_  (31)Gondel_  (47)Verena und Eli verlegen die Bodenplatte.
Gondel_  (58)Gondel_  (65)Gondel_  (98)Das Heck ist aufgestellt.
Gondel_  (69)Bug und die Teilstelle.
Gondel_  (77)Die Spanten.
Gondel_  (101)Gondel_  (102)Gondel_  (88)Gondel_  (118)Da die Gondel für den Transport zu lang sein würde, haben wir sie geteilt. Dies ist die Trennstelle im vorderen Drittel.
Gondel_  (129)Gondel_  (141)Nachhausegehen. Licht aus.
Gondel_  (104)Zwingen-Gebilde.
Gondel_  (159)Gondel_  (174)Die Decks sind montiert.
Gondel_  (187)Lena mit Designchefin Eli.
Gondel_  (232)Starke Kurven.
Gondel_  (197)Die Außenhaut wird verleimt.
Gondel_  (222)Probe-Gondolero Jan.
Gondel_  (262)Gondel_  (252)Gondel_  (254)Gondel_  (267)Gondel_  (278)Gondel_  (296)Gondel_  (306)Gondel_  (302)Nachschneiden der Konturen.
Gondel_  (341)Stani schneidet die Trennstelle auf. Spannung, ob das so klappt wie geplant.
Gondel_  (353)Ich löse die Schrauben.
Gondel_  (369)Es bewegt sich rein gar nichts. Keile!
Gondel_  (380)Und es klappt doch. Erleichterung! Das stolze Team.
Gondel_  (388)Und so schaut’s aus.
Gondel_  (392)Nun kommen wir zum Tuning. Der Bugbeschlag, in Venedig wird er „Ferro“ genannt, soll auch aus Holz sein. Es ist halt doch nur für das Theater.

Wird angepasst.
Gondel_  (398)und in die richtige Form gebracht.
Gondel_  (411)Und das Heck, mit dem hölzernen „Rosso“-Beschlag.
Gondel_  (521)Rollen soll sie, nicht schwimmen. Deshalb bekommt sie Löcher und Fahrwerk.
Gondel_  (426)Gondel_  (427)Auf der Rückseite sieht man die Rollen nicht, da können sie ruhig etwas herausschauen.
Gondel_  (434)Erster Probelauf. Die Rollen sind in Ordnung.

Gondel_  (466)Gondel_  (470)Für Ornamente und Verzierungen sind die Bildhauer der Theaterwerkstätten zuständig.
Gondel_  (494)Gondel_  (500)Gondel_  (491)Gondel_  (474)Gondel_  (475)Gondel_  (492)Das vordere Deck bekommt auch noch ein schönes Gesicht.

Gondel_  (539)Gondel_  (532)Gondel_  (535)Gondel_  (530)Gondel_  (544)Infowand.Gondel_  (495)Die Kaffeebar.Gondel_  (499)Alles ist geschliffen und fertig für die gute Oberfläche.Ferro, Rosso und Sitzbank bekommen auch eine Grundierung.
Gondel_  (546)Gondel_  (551)Gondel_  (550)Die Trennstelle muss immer mal wieder nachgeschnitten werden.
Gondel_  (556)Die Halbrundprofile werden silber.
Gondel_  (559)Gondel_  (558)Des Bootsbauers liebste Tätigkeit: Schleifen. Gell, Stani?
Gondel_  (567)Gondel_  (561)Gondel_  (562)Gondel_  (564)Vorbereitung für das große Finale. Reinigen, reinigen und reinigen.
Gondel_  (576)Gondel im (Sprüh-) Nebel.

Gondel_  (579)Gondel_  (580)Gondel_  (581)Gondel_  (582)Gondel_  (584)Gondel_  (587)Gondel_  (594)Gondel_  (604)Nun wird alles für die unzähligen Transporte, die das Schiffchen im wird zurücklegen müssen, vorbereitet. Die Tapezierer nehmen Maß für die dicke Filzhusse, mit der das zerlegte Boot zu den Vorstellungen ins Theater gebracht werden wird.Gondel_  (614)Gondel_  (617)Gondel_  (626)Gondel_  (627)Gondel_  (620)Gondel_  (634)Transportwagen werden hergerichtet.Gondel_  (643)Gondel_  (645)Gondel_  (647)Die Sitzbank aus Kunstleder mit Plüsch ist nun auch eingebaut. Die Gondel ist komplett.Gondel_  (672)Bevor sie verpackt wird, noch ein paar abschließende Fotos. Team mit Gondel: Stani, Verena, Anja.Gondel_  (658)Gondel_  (668)Gondel_  (669)Gondel_  (687)Gondel_  (661)Gondel_  (666)Verpackt und fertig für die große Bühne.Gondel_  (690)Gondel_  (688)

Premiere für die „Zwischenfälle“ ist am 5. Februar 2011 im Wiener Akademietheater. Die Gondel hat eine kleine Rolle aber bekommt tosenden Applaus, besonders vom „Bootsbaumeisterin“-Fanclub.

Noch mehr Bilder gibt es auf Facebook
http://www.facebook.com/album.php?aid=2115829&id=1493808572&l=e20aebd23d

World Masters Regatta in Wien – Heimspiel als Bootsbaumeisterin

Ich habe es nicht weit und war auch deshalb sicher viel nachlässiger mit irgendwelchen Packlisten, als meine Bootsbauer-Mitstreiter. Die sind echt gut ausgerüstet mit Wohnmobil und Messezelt und mit allem erdenklichen Werkzeug. Wenn ich einfach mal rüber fahren kann, dann kann ich es auch eigentlich holen, wenn irgend etwas Spezielles benötigt wird. Habe ich mir gedacht. „World Masters Regatta in Wien – Heimspiel als Bootsbaumeisterin“ weiterlesen

Die Plätte. Mal was anderes.

Da bin ich mal eine zeitlang weg von Epoxidharzen, Kohlefasern, Aramidfasern, Polyurethanlacken, wie sie ja mittlerweile auf der Bootsbaumeisterinnen-Tagesordnung stehen. Die Werkstatt sieht auch gleich ganz anders aus, das Schiffchen ist breiter. Aber dafür kürzer.

Aufgeräumte Werkstatt, was?

Der Boden wird geschliffen und abgedichtet.
Ganz schön grün.

Die komplette Aussenseite wird geschliffen.
Staubmaske aufsetzen. Wichtig!

Im Bugbereich gibt’s ein Loch. Ich schneide die Planke ein,
Diese Maschinen sind schon was Tolles.

und stemme sie weg.
Kleinholz

meine Hände halten das

Das kann ich so sehr genau auftrennen.

Jetzt haben wir gar kein Foto vom Einsetzen der neuen Planke. Okay, da ist sie schon drin. Das Deck ist fertiggeschliffen und wartet auf die Lackierung.
Nur noch reinigen jetzt.

Ich mag diese angeschliffenen Flächen, und den Kontrast, wenn ich sie dann lackiere.

Die neue Planke wird wieder grün.
Grün machen.

Die Holzflächen erstrahlen in neuem altem Glanz.
Altes Boot. Glänzt. Schön.

Ich mag das.
Nur so.

Fehlt also nur noch
Fertig!

Wasser!
Fertig für die Abfahrt.

Dies ist das Ende der kleinen (Bilder-) Geschichte.

Der Anfang meiner nächsten beginnt genau hier. Ich bin nämlich nach der Fertigstellung eine Runde über die Alte Donau gefahren, habe das Boot quasi in den Heimathafen zurückgebracht. Meine Kamera hatte ich natürlich dabei und habe auf der Fahrt unzählige Bilder gemacht.