Angenehmer Zwischenfall – eine venezianische Gondel in Wien

Ungewöhnlich ist ist das, wenn man mitten in Wien einen Auftrag für eine, hierzulande eher untypische, venezianische Gondel bekommt. Mindestens genauso ungewöhnlich ist es, dass dieses bestellte Boot niemals richtiges Wasser spüren oder gar schwimmen soll. Wenn man dann hört, wer der Auftraggeber ist, wird vieles klarer.

So bekam ich also einen Anruf aus dem Wiener Burgtheater, ob ich willens und in der Lage sei, eine Gondel in Originalgröße für die Bühne zu bauen. Ja natürlich, so einen Auftrag bekommt man nicht alle Tage. Zugesagt, und los ging es.

Es folgten Meetings mit dem Bühnenbildner Martin Zehetgruber und seinem Team, der technischen Leitung des Burgtheaters und dem Team der Art for Art Theaterservice GmbH, in deren heiligen Hallen ich bauen durfte.

Zuerst war meine Chefdesignerin Eli Thonhofer gefragt. Da ging es um die Hauptabmessungen, den Unterwasserbereich, der ja nicht in der Bühne verschwinden würde sondern abgeschnitten werden musste. Außerdem mussten Sitzpositionen und -höhen fixiert werden, die grobe Form besprochen und verbildlicht werden. Die venezianische Gondel ist normalerweise asymetrisch, das heißt, eine Seite ist eher dünn-, die andere etwas dickbauchiger. Da das Schiff nur von der rechten Seite aus sichtbar sein würde, gestalteten wir die Form der Einfachheit halber symmetrisch. Zu breit durfte sie auch nicht sein, da die Gänge hinter der Bühne eher schmal sind. Die linke, nicht sichtbare Seite konnte oberflächentechnisch vernachlässigt werden. Besonders leicht sollte sie werden, um sie quasi über die Bühne schweben zu lassen. Nach Elis hervorragender Vorbereitung waren nun die Bootsbauer gefragt.

Nun lasse ich die Bilder sprechen.

Gondel_

Gondel_  (5)

So fängt alles an.
Spanten und alle anderen Teile werden geplottet ausgeschnitten.
Gondel_  (6)Gondel_  (7)Danach Ausschneiden und Verkleben einzelner Teile.
Gondel_  (23)Gondel_  (45)Gondel_  (31)Gondel_  (47)Verena und Eli verlegen die Bodenplatte.
Gondel_  (58)Gondel_  (65)Gondel_  (98)Das Heck ist aufgestellt.
Gondel_  (69)Bug und die Teilstelle.
Gondel_  (77)Die Spanten.
Gondel_  (101)Gondel_  (102)Gondel_  (88)Gondel_  (118)Da die Gondel für den Transport zu lang sein würde, haben wir sie geteilt. Dies ist die Trennstelle im vorderen Drittel.
Gondel_  (129)Gondel_  (141)Nachhausegehen. Licht aus.
Gondel_  (104)Zwingen-Gebilde.
Gondel_  (159)Gondel_  (174)Die Decks sind montiert.
Gondel_  (187)Lena mit Designchefin Eli.
Gondel_  (232)Starke Kurven.
Gondel_  (197)Die Außenhaut wird verleimt.
Gondel_  (222)Probe-Gondolero Jan.
Gondel_  (262)Gondel_  (252)Gondel_  (254)Gondel_  (267)Gondel_  (278)Gondel_  (296)Gondel_  (306)Gondel_  (302)Nachschneiden der Konturen.
Gondel_  (341)Stani schneidet die Trennstelle auf. Spannung, ob das so klappt wie geplant.
Gondel_  (353)Ich löse die Schrauben.
Gondel_  (369)Es bewegt sich rein gar nichts. Keile!
Gondel_  (380)Und es klappt doch. Erleichterung! Das stolze Team.
Gondel_  (388)Und so schaut’s aus.
Gondel_  (392)Nun kommen wir zum Tuning. Der Bugbeschlag, in Venedig wird er „Ferro“ genannt, soll auch aus Holz sein. Es ist halt doch nur für das Theater.

Wird angepasst.
Gondel_  (398)und in die richtige Form gebracht.
Gondel_  (411)Und das Heck, mit dem hölzernen „Rosso“-Beschlag.
Gondel_  (521)Rollen soll sie, nicht schwimmen. Deshalb bekommt sie Löcher und Fahrwerk.
Gondel_  (426)Gondel_  (427)Auf der Rückseite sieht man die Rollen nicht, da können sie ruhig etwas herausschauen.
Gondel_  (434)Erster Probelauf. Die Rollen sind in Ordnung.

Gondel_  (466)Gondel_  (470)Für Ornamente und Verzierungen sind die Bildhauer der Theaterwerkstätten zuständig.
Gondel_  (494)Gondel_  (500)Gondel_  (491)Gondel_  (474)Gondel_  (475)Gondel_  (492)Das vordere Deck bekommt auch noch ein schönes Gesicht.

Gondel_  (539)Gondel_  (532)Gondel_  (535)Gondel_  (530)Gondel_  (544)Infowand.Gondel_  (495)Die Kaffeebar.Gondel_  (499)Alles ist geschliffen und fertig für die gute Oberfläche.Ferro, Rosso und Sitzbank bekommen auch eine Grundierung.
Gondel_  (546)Gondel_  (551)Gondel_  (550)Die Trennstelle muss immer mal wieder nachgeschnitten werden.
Gondel_  (556)Die Halbrundprofile werden silber.
Gondel_  (559)Gondel_  (558)Des Bootsbauers liebste Tätigkeit: Schleifen. Gell, Stani?
Gondel_  (567)Gondel_  (561)Gondel_  (562)Gondel_  (564)Vorbereitung für das große Finale. Reinigen, reinigen und reinigen.
Gondel_  (576)Gondel im (Sprüh-) Nebel.

Gondel_  (579)Gondel_  (580)Gondel_  (581)Gondel_  (582)Gondel_  (584)Gondel_  (587)Gondel_  (594)Gondel_  (604)Nun wird alles für die unzähligen Transporte, die das Schiffchen im wird zurücklegen müssen, vorbereitet. Die Tapezierer nehmen Maß für die dicke Filzhusse, mit der das zerlegte Boot zu den Vorstellungen ins Theater gebracht werden wird.Gondel_  (614)Gondel_  (617)Gondel_  (626)Gondel_  (627)Gondel_  (620)Gondel_  (634)Transportwagen werden hergerichtet.Gondel_  (643)Gondel_  (645)Gondel_  (647)Die Sitzbank aus Kunstleder mit Plüsch ist nun auch eingebaut. Die Gondel ist komplett.Gondel_  (672)Bevor sie verpackt wird, noch ein paar abschließende Fotos. Team mit Gondel: Stani, Verena, Anja.Gondel_  (658)Gondel_  (668)Gondel_  (669)Gondel_  (687)Gondel_  (661)Gondel_  (666)Verpackt und fertig für die große Bühne.Gondel_  (690)Gondel_  (688)

Premiere für die „Zwischenfälle“ ist am 5. Februar 2011 im Wiener Akademietheater. Die Gondel hat eine kleine Rolle aber bekommt tosenden Applaus, besonders vom „Bootsbaumeisterin“-Fanclub.

Noch mehr Bilder gibt es auf Facebook
http://www.facebook.com/album.php?aid=2115829&id=1493808572&l=e20aebd23d

3 Antworten auf „Angenehmer Zwischenfall – eine venezianische Gondel in Wien“

  1. Hallo Anja.

    Tolle Leistung ! Herzliche Gratulation !
    Wäre schön, wenn wir die Gondel auf der Vogalonga einsetzen könnten !

    Bis die Tage ……….. M

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