Motorpisser und andere Ärgernisse

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Aufgewachsen bin ich im Ruhrgebiet. Das ist auch meine (erste) Ruderheimat. Den Rhein-Herne-Kanal mussten wir uns mit der Berufsschiffahrt teilen und mit diesen völlig unnötigen Motorbooten. Als Ausdruck unserer Sympathie wurden sie deshalb von uns ganz liebevoll Motorpisser genannt.

Und damit bin ich auch schon wieder zurück in Wien. Seit 8 Jahren treibe ich mich jetzt schon an der Alten Donau herum und ich kann wirklich sagen, dass ich dort meine zweite Ruderheimat gefunden habe. Dass die Alte Donau Wiens Naherholungsgebiet ist, das war schon immer so, nur ich mache mir seit einiger Zeit ernsthaft Sorgen, wie lange Rudern dort eigentlich noch möglich sein wird.

Bootsverleihe schaffen immer mehr Boote an. Privatboote häufen sich. Neuerdings gibt es mehrere Partyboote, bessergesagt Pontons, die Essen auf dem Wasser anbieten. Das ist dann mehr oder weniger eine ausgelagerte Terrasse, die irgendwo auf dem Wasser herumtreibt. Leute mieten sich Boote um sich einfach nur auf dem Wasser zu sonnen. Am Kaiserwasser ist ein Wohnhaus errichtet worden, ein Mehrparteienhaus, schaut sehr teuer aus, mit Bootsanleger und dazugehörigem Motorboot. Da sind eine Unmenge von Leuten unterwegs, die keinen blassen Schimmer haben, wie man ein Boot führt.

Mittlerweile bleibt uns Ruderern kaum mehr Platz, um unseren Sport auszuüben. Der Leistungssport weicht aus auf die Neue Donau, weil geregeltes Training gar nicht mehr möglich ist. Manche Vorstände „verpflichten“ ihre trainierende Jugend, ihr Training wenigstens teilweise noch am angestammten Bootshaus auszuüben. Das finde ich gut und halte das für richtig und wichtig. Aber ist das nicht auch traurig? Traurig und besorgniserregend, dass vor unseren Bootshäusern kein Rudern mehr möglich ist?

Aber was hat das langfristig für Folgen wenn die Leistungsträger und alle anderen einigermaßen Motivierten auswandern? Wofür haben wir dann noch unsere Vereine, unsere wunderschönen und bestens für den Rudersport ausgestatteten Bootshäuser? Schon jetzt ist es ja so, dass Vereinsmitglieder die Spitzenathleten nur noch von Bildern auf der Homepage kennen. Was, wenn der Nachwuchs die so wichtigen sportlichen Vorbilder nicht mehr greifbar hat? Die sogenannten Wappler werden also übrigbleiben und alle anderen treffen sich sonstwo? Nein. Bitte.

In den Vereinen, den Vorständen, im Vorstand des Wiener Ruderverbandes wird die Situation und die weitere Entwicklung wahrgenommen und man äußert auch seine Bedenken. Das weiß ich aus diversen Gesprächen. Aber, liebe Leute, das reicht nicht. Wir starren wie das Karnickel auf die Schlange, die uns verspeisen will. Wir müssen dem entgegenwirken und diese Entwicklung stoppen!

Ja, werden jetzt viele sagen, die ist ja erst ganz kurz dabei und jetzt spielt sie sich auf und so. Stimmt, die Freunderlwirtschaft um die Alte Donau herum und all die wirtschaftlichen und politischen Interessen, die da ungestört wirken, kenne ich wirklich nicht so genau. Ich sehe nur, dass wir mehr und mehr verdrängt werden, und das dürfen wir nicht zulassen.

Der Wiener Ruderverband ist unsere Interessenvertretung nach außen. Ich halte es für extrem notwendig, dass die Vereine sich auf die Hinterbeine stellen und in diesem Punkt in eine Richtung wirken und geschlossen dagegenarbeiten. Die bereits verlorenen Pfründe werden wir nicht zurück bekommen, das wird schwierig, aber es ist ja noch nicht zu spät.

Was haben wir denn eigentlich zu bieten?
Fast alle Vereine haben eine mehr als hundertjährige Geschichte an der Alten Donau. Rudern ist ein sehr traditioneller Sport, hat etwas nobles, besonderes. Rudern schädigt nicht die Umwelt, wir sind quasi lautlos und stören nicht die Stille. Rudern ist ein Mannschaftssport, noch nicht durch offensichtliches Doping versaut. Ruderer sind Vorbilder. Rudern ist ein Sport für alle Alters- und Leistungsgruppen. Rudern ist gesund. Die Vereine erleben einen Boom. Rudern ist extrem angesagt.

Und was verdrängt diesen wundervollen Sport? – Ich bezeichne die derzeitige Entwicklung einfach mal als Unkultur. Vor allem dürfen wir nicht vergessen, dass dieser See, ist es ja irgendwie, auch nicht unbegrenzt belastbar ist. Jedes Boot, das dauerhaft im Wasser liegt bringt Schmutz, Chemikalien, Lacke, teilweise Antifouling-Beschichtungen ins Wasser. Wie lange geht das noch?

Also meine Bitte und Aufforderung an euch alle! – Auf in den Widerstand! Das heißt aber nicht, dass wir eine Facebook-Gruppe gründen „Rettet die Alte Donau“ oder so. Das reicht nicht.

DSC_0178_kleinKommentare erwünscht

6 Antworten auf „Motorpisser und andere Ärgernisse“

  1. Liebe Anja!
    Du sprichst mir aus der Seele. Widerstand wäre angebracht, aber wie? Die Alte Donau ist ein Naherholungsgebiet für alle Wiener……Ruderer, Segler, Badende, wer soll wann eingeschränkt werden? Teilen wir die Alte Donau ab, dann bleiben uns vielleicht noch 1000m zum trainieren. Ich habe leider keinen Vorschlag.
    LG
    Wolfgang

  2. Liebe AQnja !
    Du sprichts, wie wahrscheinlich auch vielen Anderen voll aus der Seele !
    Es ist schon ein Wahnsinn was alles Auf der Alten Donau herumschmwimmt…
    NUR, und das ist die Frage, oder das Problem,
    was können wir Ruderer gegen diese Entwicklung tun ?
    Die Alte Donau ist ja für alle da (leider, muß man/frau manchmal sagen…)
    Habe momentan auch keinen passendden Vorschlag….

    liebe Grüße Gabor

  3. Hallo Zusammen,

    Das erste mal bin ich mit 10 Jahren im Boot gesessen – die Alte Donau ist mein ZuHause. Anja, was Du machst hätten Leute die schon länger hier sind längst machen sollen – VIELEN DANK!

    1.) wer ist wofür verantwortlich? Gibt es Zulassungen für Ausflugsboote an der alten Donau (Terassenboote)?

    2.) wir brauchen klare Regeln für alle Beteiligten – zurzeit kenne ich aber die Ansprechpartner nicht – gibt es einen „Freizeitschwimmervertreter, einen Obmann der Sparte „Terassenboote“? – I fear not!

    Lösungsvorschlag:

    Nur wer die Bedürfnisse der Ruderer a) kennt b) nachvollziehen kann und c) zumindest nichts gegen die Berücksichtigung derselben hat weiß, bringt dem Rudersport an der AD etwas.

    Wir brauchen eine Imagekampagne.

    Ich wäre dabei, einmal im Jahr eine große „Row&Beach“-Veranstaltung zu organisieren. Hier sollten sowohl Badegäste, Vergnügungsbootnutzer, Passanten und vor allem Ruderer involviert werden. Diese Veranstaltung könnte mit dem Schulrudern / Schulschluss bzw. Studenten-Semesterschluss kombiniert werden. Rahmenprogramm mit Musik, Rennen, Einlagen, DJ und Aftershowparty. So, wie wir die Regatten bisher durchgezogen haben, hat sich der Rudersport schlichtweg als UNINTERESSANT präsentiert. Wir sollten aufhören uns unter unserem Potenzial zu schlagen.

    Die üblichen Fragen 1) wer zahlt das 2) was bringt das 3) wer soll das machen werden aber nur von jenen Leuten akzeptiert, die auch bereit sind das geschätzte Gesäß in die Höhe zu bringen und mit zu helfen.

    Nur wenn die Alte Donau mit dem Rudersport in Verbindung gebracht wird – und zwar in den Köpfen möglichst aller „Besucher“ der AD, können wir unseren Status halten oder viel mehr – und absolut wünschenswert – ausbauen.

    Tel: +43 66 444 77 888.

    Grüße an alle,

    Aram

  4. Liebe Anja,

    ich bin an und auf der Alten Donau aufgewachsen uns saß vor 55 Jahren das erste Mal in einem Boot.

    Seither hat sich hier viel verändert, allerdings war vor Errichtung der Donau Insel der Betrieb an schönen Tagen noch ärger als heute, es gab tatsächlich Schlieren vom Sonnenöl auf dem Wasser.

    Als absolute Randsportgruppe haben wir nicht die geringste Chance etwas zu ändern , ja wir sind, obwohl wir verkehrt im Boot sitzen bei jedem Unfall nahezu automatisch schuld. Bis vor kurzem war ja sogar wegen der Fischer der Betrieb auf der Neuen Donau auf die Abend- und Morgenstunden eingeschränkt.

    Von unserem Präsidenten habe ich gehört, dass angedacht ist, nurmehr gesteuerte Boote auf der Alten Donau fahren zu lassen, die übrigen ab auf die Neue Donau beim Ruderzentrum.

    Eimpfehlen kann ich nur, wie es schon einige machen, im Sommer auf die frühen Morgenstunden auszuweichen, zwischen 5 und 9 Uhr haben wir die Alte Donau weitgehend für uns allein, wir müsssen hauprsächlich nur auf die vom Vorabend übriggebliebenen Bojen der Segelschulen aufpassen.

    Tel.: 280 22 89

    Liebe Grüße

    Gerhard

  5. Liebe Anja.

    „Leider“ hast Du zu 100% recht mit Deinem Artikel. Der Betrieb auf der Alten Donau hat sich in den letzten Jahren wirklich in eine für mich bedenkliche Richtung entwicklung. Jeder soll alles dürfen und können, aber keiner will Verantwortung übernehmen. Unsere Wegwerfgesellschaft wird leider immer oberflächlicher und alle nutzen und benutzen alles in jedere erdenklichen Richtung. Auf der Alten Donau sehen wir langsam aber sicher die Auswüchse dieser Entwicklung. Ich selbst trainiere nur noch zeitig in der Früh und bin teilweise fassungslos, was so alles auf der Alten Donau an Müll schwimmt ( Flaschen, Dosen, diverses Plastik , ganze WC Anlagen u.s.w. ) So ist und denkt unsere heutige Wegwerfgesellschaft….leider. Ebenso wird diese grenzenlose Nutzung auch noch von den verantwortlichen Stellen der Gemeinde unterstützt und mit schönen Worten als positive Entwicklung dargestellt. ( Oder gehts hier nur um das sogenannte Stimmvieh, das man bei Laune halten will ….. )
    Wie dem auch immer sei, ich denke es wäre für uns wirklich höchst an der Zeit, über unseren Verband bei den entsprechenden Stellen der Gemeinde vorstellig zu werden und einfach viel Lärm über dieses Thema zu machen.
    Meine Unterstützung ist da.

    Liebe Grüße Martin

  6. tja, welche Vorschläge gibt es?
    1.) die Wiener Wahlen abwarten und schauen, wer danach für den Sport zuständig ist
    2.) Dieser Person die Wichtigkeit des Vereinslebens und des Rudersports nahe bringen (Woher soll ein Herr Oxonitsch wissen, wie das genau funktioniert und was man mit der jetzigen Entwicklung kaputt machen kann).
    3.) Mit dem Verein Arbeitsgemeinschaft „Schöne Alte Donau“ in Kontakt treten, über Interessen reden http://www.alte-donau.info/

    Es gibt eine Menge Dinge, die „man“ tun kann. Wichtig erscheint mir, dass die richtigen Leute miteinander reden.

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