Aus Gelb wird ganz schön Gelb

Wenn jemand meint, Composite-Boote nicht instandhalten zu müssen, dann hat er sich geschnitten. Dieses ist ein Bericht, wie ein Rennzweier mit Epoxy-Kevlar-Carbon-Außenhaut vor und nach einer Generalsanierung ausschaut. Einleitend noch ein paar Erklärungen, warum das notwendig ist.

Alle Boote, Holz wie Kunststoff, haben eine Oberfläche, die mechanischen Einflüssen, der Umwelt und natürlich dem Wasser ausgesetzt sind.
Mechanische Einflüsse sind zum Beispiel Kratz- und Schlagspuren auf der Außenhaut. Beschädigungen an Decks, Wellenbrechern und Waschbords, die oft durch unsachgemäßes oder gleichgültiges Hantieren oder Verladen und natürlich duch Unfälle verursacht werden.
Mechanische Einflüsse sind auch die Kräfte, die beim Rudern das Boot duchlaufen.
Beanspruchung durch die Umwelt ist in hohem Maße die UV-Strahlung, welche Harze und Trägermaterialien stresst. Die Strahlung trifft das Boot nicht nur auf Regatten, wenn es oft tagelang ungeschützt der Sonne ausgesetzt ist, sondern bei jeder Ausfahrt und zwar von der Oberseite auf Decks und Cockpit.

Nicht zu unterschätzen ist das Wasser. Wasser kommt überall hin aber leider findet es den Weg meistens nicht mehr hinaus und genau das ist das Problem. Es zieht in den kleinsten Haarriss und das Material kann sich vollsaugen. Der Bereich kann faulen. Das Boot kann schwerer werden. Das Material kann seine guten Eigenschaften verlieren.
Was Salzwasser bei Booten anrichten kann, weiss jeder, der schon einmal in Küstengewässern unterwegs war. Insbesondere Aluminiumteile zerfallen zu Staub, wenn das Salzwasser nicht restlos mit Süßwasser abgespült wird.

Nun aber zu unserem Patienten:
Beschläge, Klebebäder, Aufkleber wie Namen und Firmenzeichen habe ich bereits entfernt.
So sieht die Schale oft nach Jahren aus.
Die Oberfläche wird geschliffen, die oft rissige und korrodierte Schicht entfernt.
Schliff mit der Maschine.

Die Außenhaut hat jetzt eine gleichmäßige aber matte Oberfläche. Beschädigungen sind sichtbar und können repariert werden.
Ein gewöhnungsbedürftiger Anblick für eine Ruderboot.

Das Gleiche im Cockpit.
Matte Oberfläche.

Die Auslegerspanten bekommen eine Verstärkung aus Kohlefaser.
Der Innenraum wird transparent lackiert.

So schaut die Außenhaut aus, wenn die äußere Laminatschicht entfern wurde, ein kleiner Einblick ins Innenleben eines Honeycomb-Sandwichs.
Das Bild ist von einem anderen Boot.

Reparatur- und Verstärkungsmaterialien für Spanten und teilweise für den Bootskörper: Kohlefaser, Carbon.
Macht die Spanten steif.

Mögliches Material für die Schale. Aramidfaser, den meisten als Kevlar bekannt.
Macht die Schale schlagfest.

Dieser Zweier hatte keine wirklich schweren Reparaturen, es wurden lediglich die Spanten verstärkt, kleine Beschädigungen und Gebrauchsspuren beseitigt. Das Boot ist bereits lackiert.
Sieht noch richtig nackt aus, das Boot.

Es fehlen noch Beschläge und Klebebänder.
Gewebeband
Schöner Abschluss
Gestalterische Arbeiten.
Glattstreichen. Kontrolle.
Haha
Schon wieder Kontrolle.
Kundenkontakt während der Arbeit.
Nicht tratschen? Also gut.

Das Cockpit ist jetzt auch wieder gut vor UV-Strahlung und Wasser geschützt. Die Spanten stabil.
Sieht schön und pflegenswert aus.
Das Pickerl darf nicht fehlen.

Ich montiere Beschläge, Luftkastendeckel etc.
Ganz schön viele
Handschuhe? Damit ich mir die Hände nicht vollpatze.
Bugball. Geklebt und verschraubt.
Glänzt schön.

Das Boot ist fertig.
Ich bin zufrieden ...
... oder sogar begeistert?

Für den Transport wird es noch eingepackt, damit nicht der neue Lack gleich wieder auf der Straße verschutzt wird.
Mit Folie eingewickelt.
Das sind einige Meter.

Alles schön festkleben, damit nichts fliegen kann beim Transport.
Die Folie sollte sich nicht aufblähen können.

Das Boot muss gut fixiert sein auf dem Hänger, damit nichts verrutschen kann.
Für das Festbinden lasse ich mir Zeit.

Die Gurte sollte in Ordnung sein.Gute Auflagen sind auch wichtig.

Das Boot ist gut befestigt.
Na endlich.

Heimweg.
Gute Fahrt, gelber Zweier!

Der Zweier ist wieder voll einsatzbereit für die nächsten Jahre.
Kontrolliert, repariert, verstärkt, lackiert. Gut geschützt für den nächsten Lebensabschnitt.