Am Ende wird alles gut – Die World Masters Regatta in Wien

WA2-, gewonnen

Das Schönste und für uns Wichtigste setze ich gleich an den Anfang. Zumindest das Foto.

Ich fange also noch einmal von vorn an:
Schon am Montag reisen viele Mannschaften an. Aus aller Welt kommen sie zum Rudern nach Wien. Viele verbinden dieses Ruderereignis sicher mit einem Städtetrip in diese tolle Stadt. Die Organisatoren rotieren, manche sind auch schon gleich am Anfang genervt. Man muss halt damit rechnen, dass viel gefragt wird, auch dass teilweise unsinnige Fragen gestellt werden. Der Regattaplatz ist hergerichtet und wartet. Erste Trainingsausfahrten.

unverkennbare Kulisse mit Kraftwerk

Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite, windstill und angenehme Temperaturen. Das soll sich aber noch ändern. Optimale Bedingungen am Donnerstag, dem ersten Regattatag.

Ich starte erst am Zweiten. Mit ehemaligen Weggefährtinnen aus Münster rudern wir im Doppelvierer.

Wir sind hier vorn im gelben Boot, ich im Bug.

Wir fahren ein ganz gutes Rennen, sind nicht die Letzten, hat Spaß gemacht. Aber das erste Rennen ist immer etwas mühsam, finde ich, da muss ich erst im Kopf realisieren, was da von mir verlangt wird und der Körper läuft auch erst langsam an.

Boot hochschleppen

Mit den Vierer-Frauen war es auf jeden Fall echt nett, danke nach Deutschland, dass ihr mich mitgenommen habt.

2 Stunden später machen wir, also Kathi und ich, uns auf zum großen Gefecht. Noch etwas lockern und aufwärmen, einige Toilettengänge. Ja, wir sind nervös. Wir haben uns ja auch etwas vorgenommen und den Mund vorher ziemlich vollgenommen. Besonders ich, wenn ich ständig von unserem Zweier erzählt habe. Das mache ich ganz gern, nein, nicht generell den Mund voll nehmen, sondern mich durch solche Reden ein wenig unter Druck setzen. Sonst trainiere ich nicht anständig, zu faul, zu beschäftigt, wie auch immer. Wir haben uns darauf geeinigt, dass wir gut vorbereitet sind.

Der Weg zum Ablegesteg ist immer sehr mühsam, weil es sich sehr staut und man sich in die Reihe stellen muss und geduldig warten.

der Blick ins Nichts

Ohne Hilfe ist das Ablegen schwierig, Seitenwind und ziemlich hohe Flöße. Das Wetter am Freitag ist übrigens eine Katastrophe, Regen, Regen, Regen, echt mühsam.


sieht ungemütlich aus, ist es auch

Und los geht’s:

erst mal schauen und Lage checken

Während wir uns warm fahren fängt es wieder an zu regnen. Jaja, dafür ist das Wasser schön glatt. Trotzdem ist das total überflüssig, zumal wir im Vorstartbereich noch relativ lange auf und ab fahren müssen wegen der Startverspätung. Der Zweier läuft schlecht wie nie (finde ich), ich bin total genervt. Kathi findet nicht, dass es schlecht ist. Ein ganz normaler Zweier ohne.

An der Startanlage treffe ich meine Kinder, die ganz tapfer bei diesem Sauwetter einen echt guten Job machen. Bewundernswert. Wir winken uns kurz zu.

Wir legen am Startfinger an. Konzentration. Abfrage. Rot. Grün. Los. Oh, fürchterlich, wir sind schon im Rennen. Das sind jetzt also die paar Minuten, in denen es klappen sollte. Ich fange schon wieder an zu denken, wie anstrengend das jetzt wieder ist, dass wir nicht zu hoch und nicht zu niedrig mit der Schlagzahl sein dürfen. Mein Job.

im Hintegrund 2 rufende Fans

Und Kathi wird auf einmal ganz euphorisch. „Es klappt!“ Und überhaupt redet sie heut so viel.

dieser Regen ...

Wir sind tatsächlich vorn. Zumindest sind alle Boote gleichauf und wir mittendrin. 500m, wir gehen mit und dann schlagen wir zu. Vorn. Und jetzt bloss keinen mehr herankommen lassen. Endspurt. Wir sind noch immer Erste. Große Freude.
Ja, wir haben es tatsächlich geschafft.

Anlegen am Siegersteg

Medaille um und wieder weg.

Ablegen vom Siegersteg

Die Spannung ist gelöst.

achte auf die Kappe :)

Der Regattasprecher hat uns als „waschechte Wiener“ vorgestellt, also zur Richtigstellung noch dieses Foto. Das muss sein.

Wir freuen uns wie die Kinder
Wir freuen uns wie die Kinder und machen unsere Erinnerungsfotos.

Der Freitag ist also gerettet.

Am Samstag regnet es zwar nicht mehr, aber dafür stürmt es wie verrückt. Sturmstärken bis zu 85 km/h haben unseren Stand verwüstet und ein paar Boote beschädigt, aber das hat in diesem Bericht nichts zu suchen. Unser Rennen soll um kurz vor 9 sein. Wieder im Zweier ohne aber diesmal in Kategorie B, bei den etwas älteren.

Das Warmfahren ist mühsam, der Wind macht das Wasser nahezu unruderbar. Die Wende mit den Seitenwellen eine Herausforderung. In der ersten Stunde baut sich eine große Verspätung auf, immer mehr Boote kommen pünktlich in den Prestart-Bereich, zu wenige verlassen ihn in Richtung Start. Leichtes Chaos. Keiner weiß oder informiert über die Verzögerung. Irgendwann gehts es dann zum Start, der Quick-Start ist ein wirklicher. Ran an die Anlage, Ampel und los.

Aber diesmal läuft es bei mir nicht so. Die Motivation ein Rennen gewinnen zu wollen stellt sich nicht wirklich ein. Kathi redet mir die ganze Zeit zu und rudert wie wild. Dieser Gegenwind ist enorm, schlägt einem fast das Blatt weg beim Vorrollen. Macht keinen Spaß.

Nach 500 m komme ich dann doch irgendwie in Fahrt und los gehts. Wir lagen nahezu hinten und überholen nun Boot um Boot. Scheinbar haben wir uns jetzt an die Wellen gewöhnt, können nochmal echt Gas geben.

wir sind auf der äußersten Bahn

Die Bahn 1 ist aber schon zu weit vorn, auf den letzten paar Zentimetern können wir noch die bisher zweitplatzierten Tschechinnen (in rot) überholen. Platz 2.

beim Anlegen ist Chaos, viele Boote und der Wind

Wir sind mäßig zufrieden, hatten eine gute zweite Rennhälfte, die erste war verschenkt, aber ist halt so. Die Anderen hatten eine besseres Rennen. Das ist Sport.

Ist auf jeden Fall schön zu wissen, dass wir noch vorn dabei sind, dass wir noch gewinnen können.

Ich bin froh, dass ich nun fertig bin mit meiner Ruderei. Um 10:00 Uhr gibt es Frühstück an meinem Stand, oder an dem, was der Wind davon übrig gelassen hat. Bänke und Tisch und die Sonne von oben reichen. Teller gibt es keine, die fliegen sofort weg.

Die ersten Boote werden am Samstag schon verpackt für die Heimreise. Der Regattaplatz ist ziemlich voll, es sind auch viele nichtrudernde Zuschauer da. Es ist eine nette Atmosphäre.

Die Party am Abend scheint ein wenig an der Zielgruppe vorbei geplant zu sein. Der Dresscode ist in den Augen vieler, auch meiner, zu streng, Herren mit grauer Hose und blauem Sakko, Damen mit elegantem Kleid ist wenig geeignet für eine Rudererparty. Ich rede mit einem älteren Ehepaar, die wirklich planen hinzugehen, alle anderen die ich frage ziehen es vor einfach in die Innenstadt zu gehen. Schade, man hätte noch einige Leute treffen können, für die zwischen all dem Rudern keine Zeit war.

Am Sonntag finden die Mixed-Rennen statt. Das Wetter hat sich wieder normalisiert, der Sommer ist jetzt aber eher zum Spätsommer geworden. Viele sind schon in Aufbruchstimmung, der Sattelplatz lichtet sich. Schiedsrichter, Veranstalter und Helfer fahren noch ein paar Rennen gegeneinander. Den Kindern und Jugendlichen wird mit einer Medaille und Urkunde gedankt.

Lena, Hannah, Jan

Wir fahren auch jetzt, bringen noch schnell die Piratboote weg.

alles ist picke packe voll

Die Leute strömen von der Donauinsel weg. Sind alle entspannt und guter Dinge, so schaut’s jedenfalls aus. Ich denke es war eine echt gelungene Veranstaltung, das sieht man jetzt an den Gesichtern.

Alles wird gut. – Sag ich doch.

Die zweite Hälfte vom World Masters Regatta-Zwillingsbericht findest du hier.

Eine Antwort auf „Am Ende wird alles gut – Die World Masters Regatta in Wien“

  1. Hallo Anja!
    Das hast Du wirklich gut beschrieben. Herzlichen Glückwunsch zu Eurem Sieg, es ist mir entgangen, weil ich selbst so beschäftigt war. Ich hätte noch so manches zu erzählen, aber das ginge vielleicht zu weit. Nur eins, ich war im Rathhaus auf der Party. Es war super!!!Leider war diese Vorschrift der Kleidung wirklich eine Bremse und sehr schade! Aber wir haben wie verrückt getanzt und die schönen Räumlichkeiten genossen.Viele Grüße Ute

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