Meine „Rose vom Wörthersee“

In meinem Artikel „Bootsbaumeisterin trifft Ruderin“ habe ich ja schon ein wenig über meine Idee geschrieben, an der Rose teilzunehmen.

Das Ganze startet mit der Anmeldung, ganz spontan abends am Computer, dann muss ein Boot her, ach, da hängt doch noch Eines unter dem Werkstattdach. Seit mehr als einem Jahrzehnt unbewegt, außer bei Übersiedlungen. Kein Wasser in Sicht. Ob es noch schwimmt? Die Bootsbaumeisterin kann natürlich nicht mit stumpfem Lack und vergilbter Bespannung daherkommen. Aber das steht ja schon geschrieben. Arbeiten.

Die Bootsbaumeisterin hat ihren Teil erfüllt. Jetzt wird gerudert. Ach, wie schön.

Bei wenigen aber sehr schönen Ausfahrten auf der herbstlichen Alten Donau haben wir uns aneinander gewöhnt und die Spannung und Neugier vor der großen Fahrt wächst.
Neben dem Keuner liegt sich’s unter Seinesgleichen, man fühlt sich wohl. Los geht’s!
aufm Dach

Wir nähern uns dem sonnigen Kärnten, das Quartier ist die Jugendherberge Cap Wörth in Velden, ein hervorragendes Basislager für uns. Freitagabend sind schon einige Einerfahrer dort und wir legen unsere Boote einfach dazu. Ausleger dranschrauben, umziehen, Boote ausprobieren.
viele Einer

Eingestiegen wird vom Wasser aus, also Badeschlappen an, Hose hochziehen und Luft anhalten. Anfang Oktober ist es schon ein wenig frisch. Ich helfe Christian beim Einsteigen, meine Güte, was bin ich heute hilfsbereit, und sehe nicht, dass mein geliebtes altes Schätzchen in der Zeit in Richtung See davonschwimmt. Oh je! Ich versuche noch, durch das Ablegen meiner Hose die Beinfreiheit etwas zu erhöhen, aber ich müsste schon hinterher schwimmen, um es selbst retten zu können.

Dass diese ganze Aktion für die Außenstehenden sehr lustig war, muss ich glaub ich nicht extra erwähnen. Christian, der große Retter, erspart mir also das Bad im See. Die Sonne ist bereits untergegangen. Ein herrlicher Sonnenuntergang.

Mein Gott, ist das kitschig!
Sonnenuntergang Velden

Am nächsten Morgen sind auch die letzten Bootstransporte angekommen, die von Cap Wörth aus starten werden. Eine tolle Atmosphäre herrscht dort.
Der erste Block startet um 11:00 Uhr. Wir sehen zu, dass wir kurz vorher die Fahrrinne überquert haben und rudern gemütlich zum Start. Auch dort ist es sehr nett, keine Hektik, die Schiedsrichter haben alles im Griff. Warten.

Und dann der Start. Viele Einer in einer Reihe nebeneinander. Ich starte im letzten der 9 Blöcke, alle Frauen jenseits der 35. Ganz schön viele. Das Startkommando. Los geht’s.

Ich gehe die Sache erst einmal ganz cool an, mal schauen, wie es läuft. Erfahrungswerte habe ich keine auf einer solch langen Strecke. 16 km. Wie konnte ich nur? Jaa, früher einmal, die 10 km Langstreckentests, oh je, das ist aber schon 20 Jahre her. Danach habe ich mir so einen Mist nicht mehr antun müssen. Damals war der Druck natürlich sehr hoch. Es galt zu beweisen, dass man in den jeweiligen Vierer oder Achter hineingehörte, musste seinen Platz verteidigen oder erarbeiten. Da war es sehr wichtig, die Taktik richtig zu wählen, nicht zu schnell und nicht zu langsam angehen…. Schnee von gestern.
Und jetzt freiwillig, und ich scheine es sogar zu genießen. Druck verspüre ich kaum, auch wenn viele Mitstreiter Grosses von mir erwarten werden. Ich fahre meine Rose.

Lange ruhige Schläge, den Kurs kann man sich von den Anderen abschauen. Ich komme langsam in den Rhythmus. Ich variiere meinen Schlag, mal etwas höhere Schlagzahl und weniger Druck, dann, das liegt mir irgendwie mehr, den Ruhigeren mit mehr Druck. Ob sich meine Geschwindigkeit ändert, weiss ich natürlich nicht. An den Mitruderinnen kann ich ein wenig sehen, ob sich Abstände verändern, aber eigentlich fahre ich mein eigenes Rennen.

Die Umgebung ist wunderschön. Das macht euphorisch. Mein Boot und ich, mein altes Holzboot und ich. Vielleicht wäre ich schneller in einem supersteifen und nagelneuen Kunststoffboot. Aber der Gedanke hält sich nur ganz kurz. Wir gehören zusammen, wir zwei. Langsam schmerzen die Arme und Schultern ein wenig, komischerweise nur die. Die Beine? Ich kann den Kurs manchmal nicht so gut einschätzen, ich kenne ja den Wörthersee gar nicht. Wieder orientiere ich mich an den Anderen. „Noch 5 Kilometer!“ruft jemand aus dem Motorboot durch das Megaphon. Na, so richtig motivierend war das jetzt nicht. Ein kurzer Blick auf die Uhr. Besonders schnell bin ich ja nicht unterwegs. Kopfrechnen.

Die letzten Meter kündigen sich durch Zurufe vom Ufer an. Ständiges Umdrehen jetzt. Willy Koska hatte gesagt, dass man zwischen den zwei roten Bojen durchfahren sollte. Die letzten Schläge. Ein paar „Aanjaa“-Rufe, und, geschafft. Ach, das war nett. Geschafft!

Ich lege beim Nautilus an, mein Mitstreiter Christian, der mit dem Keuner, wartet schon, ein wenig erledigt aber glücklich. Wir versorgen unsere Boote, Aufladen, Einpacken, Duschen und auf zum Albatrosplatz. Da hat sich inzwischen schon die ganze Gemeinde versammelt, wartend auf die Siegerehrung. Wir haben eine Menge Spaß, ich mag dieses Plaudern mit allen möglichen Leuten. Das Wetter ist so schön, vielleicht der letzte warme Tag in diesem Jahr.
ICH!

Willy Koska ist sichtbar geübt in Sachen Siegerehrung und jeder der 265 Ruderer geht vor und holt seine Medaille ab. Erinnerungsfotos. Und dann das große Gruppenfoto, das jedes Jahr größer wird.
Wo bin ich wohl?
Danach löst sich die Gemeinschaft schnell auf, die meisten wollen heute noch nach Hause kommen. Nicht wir. Wir begeben uns auf die Terrasse, ach, da ist’s auch nett, ein paar weiße Spritzer gehen über den Tisch, nette Gespräche mit allen möglichen Leuten. Die Koska-Truppe fühlt sich erlöst und feiert das Gelingen.

Den Abend beenden wir gemeinsam mit den Piraten . Mir fällt auf, dass ich unglaublich wenig gegessen habe den ganzen Tag. Die Portion, die ich bestelle, ist deshalb viel zu groß, ich schaffe sie trotzdem. Müde und zufrieden.
Ach nee, im Ruhrgebiet sagt man:
„Müde und satt, wie schön is datt!“ In diesem Sinne…..