Zu Hause inne alte Heimat

rcwitten_schrift_1.gifWenn ich ins Ruhrgebiet fahre, dann ist das immer eine Reise in die Vergangenheit. Von1993 bis 2001 habe ich die Umgebung von Bochum bootsbauerisch mit Reparaturen betreut und seit meinem Weggang dort hat sich nicht wirklich eine Alternative für meine ehemaligen Kunden aufgetan.
Das ist der Grund, warum ich mich ab und zu melde und meine Anwesenheit und das zur Verfügung stehende Zeitfenster für mögliche Bootsreparaturen angebe.

So konnte ich ein paar nette Tage arbeitend beim Ruderclub Witten verbringen. Der Ruderclub ist sehr schön gelegen im Ruhrtal. Verwöhnt durch die angenehmen Temperaturen in Ostösterreich, bekam ich aber erst einmal einen Klimaschock dort. Das kurze Höschen und das Arbeitsshirt durfte ich direkt aufstocken mit langer Hose und dicker Jacke. Ganze 9°C hatte es in der Früh und ziemlich feucht war es. Atlantikklima eben. Macht aber nix.
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So fuhr ich in meinem Urlaub morgens inne Arbeit (so sagt man dort) und erlebte diese Industrieregion, in der ich ja aufgewachsen bin, wieder live. Irgendwie dreht sich dort alles nur um das Arbeiten. Die Kulturdenkmäler sind auch meistens Industiekultur-Denkmäler. Mit den Kindern geht man sonntags bei Regenwetter nicht ins Naturhistorische Museum sondern ins Bergbaumuseum. (Haben wir auch gemacht.)

Wer kennt nicht das Bochum-Lied von Herbert Grönemeyer wo er singt: „du bist keine Schönheit“ – stimmt, „vor Arbeit ganz grau“ – stimmt auch, aber viel grün, dann singt er noch: „du hast nen Pulsschlag aus Stahl, man hört ihn laut in der Nacht“ – das ist mir früher nie aufgefallen, aber es brummt wirklich immer und dann heißt’s noch: „bist ne ehrliche Haut, leider total verbaut aber gerade das macht dich aus“ – das ist die Sympathie, die der Ruhrpott rüber bringt: die ehrlich netten Menschen. Nich schön – abba ährlich. Mit „nich schön“ meine ich natürlich nicht die Leute.
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Ich nahm mich also der Barke an. Das ist ein Ruderboot, das von 8 Riemen-Ruderern und einem Steuermann oder-frau gefahren wird. Die Ruderer sitzen immer zu zweit nebeneinander, dazwischen ist ein Mittelgang, das ideale Boot für Wander- und Kaffeefahrten.

Ich hatte die Kimmkiele, das sind zwei Außenkiele, am Unterboden zu erneuern, was bedeutete, dass das Boot gedreht werden musste. Um ein 700 kg schweres Schiff zu drehen mussten viele, viele Helfer her.
Ein bekanntes Mitglied des RC Witten ist der Ex-Ruderweltmeister Guido Grabow, ein guter Freund von mir. In dessen Tischlerei hatte ich in der Bochumer Bootsbauzeit meine Werkstatt untergebracht, kannte mich also noch bestens dort aus um an den Maschinen die Holzteile vorzubereiten.

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Ansonsten war ich halt allein mit meiner Barke und den Graugänsen, die früh am Morgen lautstark ihre Formationen für den Flug in Richtung Österreich, und vielleicht noch etwas weiter, übten.

Nett war’s!

Pünktlich zum Packen für die Wanderfahrt auf demVierwaldstätter See mussten dann noch einige abschließende Arbeiten vorgenommen werden und die Fahrt konnte wie geplant mit stabilen Kielen angetreten werden.rcwitten_abschliesende_arbe.gif

Ganz liebe Grüße nach Witten.

Eure Anja